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Sichtbare Zeitschichten
Projekt: Finanzamt Zwickau
Architektur: Knoche Architekten BDA, Leipzig mit Neumann Architekten BDA, Plauen
Teppichboden:
Eco 2
Fotos: Dietmar Träupmann, Augustusburg
In den historischen Hallen der ehemaligen Zwickauer Ingenieursschule hat das Finanzamt der Stadt Quartier bezogen. Sensibel restauriert und um moderne Anbauten erweitert offenbart das Gebäudeensemble die unterschiedlichen Zeitschichten seiner Entstehung. Feines Gespür für den Charme wilhelminischer Baukunst und tiefes Verständnis für die Anforderungen moderner Architektur bewiesen Knoche Architekten in Zusammenarbeit mit Neumann Architekten bei der Instandsetzung der Bauten aus dem beginnenden 20. Jahrhundert.
Seit mehr als hundert Jahren ruhen die Steine der ältesten Bauten des neuen Finanzamts Zwickau bereits aufeinander. Drei denkmalgeschützte Flügel aus der Kaiserzeit und der beginnenden Moderne bilden zusammen mit mehreren Erweiterungsbauten aus den Fünfzigerjahren das heterogene Ensemble, das bis zu seiner Sanierung und Restaurierung von Verfall und Abriss bedroht war. Die Architekten befreiten die gut erhaltene Substanz von späteren Anbauten und versetzten sie in den Originalzustand zurück. Das aufgesetzte Dachgeschoss des Hauptgebäudes ersetzten sie durch ein neues, das sich mit seiner Schieferverkleidung nahtlos in die bestehende Architektur einfügt und mit seinem hofseitigen Fensterband zugleich seinen zeitgenössischen Charakter preisgibt. Ein viergeschossiger Neubau im Hof ergänzt die gewachsenen Strukturen. Die klare Formensprache seiner in nüchternem Hellgrau und Weiß gehaltenen Fronten bildet einen feinen Kontrast zu den reich verzierten Fassaden von Hauptgebäude und Ostflügel.
Eine schwebende Wendeltreppe im Innern macht die imposante Kuppel des Hauptgebäudes erstmals von innen zugänglich und erlebbar. Der historische Bau beherbergt einen großzügigen Warte- und Beratungsbereich, den die Architekten im Stile eines modernen Kundenzentrums gestalteten. Mit einladender Geste führt eine eindrucksvolle Prachttreppe in die oberen Etagen.
Ein mutiges Farbkonzept reflektiert den Gegensatz von Alt und Neu im Interieur. Passend zur sandsteinernen Fassade sind die Wände des Hauptgebäudes in zurückhaltende Orange- und Honigtöne getaucht. Knalliges Grün und Pink dagegen dominieren in den Büros der neueren Bauten. Die Raumstruktur der früheren Lehr- und Seminarräume eigneten sich besonders für die Umsetzung eines zukunftsweisenden Bürokonzepts. Große Büros mit je acht Arbeitsplätzen fördern Kommunikation und Teamarbeit. Eine durchgehende, farblich akzentuierte Funktionszone ermöglicht die arbeitsplatznahe Aktenablage. Zusätzliche Denkerzellen schaffen ruhige Rückzugsgebiete für klare Gedanken.
Für eine ausgeglichene Raumakustik im offenen Büro sorgen spezielle Schallschutzdecken und textile Boden- und Wandbeläge. Eco 2 von Carpet Concept bereitet auf rund 4.000 Quadratmetern den Boden für konzentriertes Arbeiten, durchdachtes Organisieren und regen Austausch. Die wertige Webware dämmt den Trittschall und reduziert Hintergrundgeräusche für bessere Hörsamkeit. Zusätzlich bis 2,90 m hoch an den Wänden aufgebracht schluckt Eco störenden Schall im Raum. Das warme Grau des Teppichbodens fügt sich nahtlos in das Farbkonzept des Interieurs ein. Zurückhaltend in Form und Farbe harmoniert Eco mit dem zum Teil erhaltenen Terrazzoboden und dem neuen, weich zu begehenden Gussasphalt der übrigen Räume. Mit seiner leichten Melange wirkt Eco im ästhetischen wie akustischen Sinne raumprägend. Spinndüsengefärbtes Garn erleichtert die Reinigung und Pflege des Bodens. Der flachgewebte Teppichboden hält hohen Beanspruchungen stand, wirkt antistatisch, speichert Wärme und hilft so, Energiekosten zu senken.




