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Rutenweben

Das Prinzip des mechanischen Rutenwebens folgt der Handwerks-Tradition: Zwei Fäden, die längs laufende Kette und der quer laufende Schuss, verkreuzen sich in einem Winkel von 90 Grad. Damit der Teppichflor entsteht, werden in dieses Grundgewebe die Polgarne senkrecht eingearbeitet. Der Schaft hebt die Polkettfäden an und legt sie über Metallruten. Die so geformten Schlingen bilden die Nutzschicht des Teppichbodens. Der Durchmesser der Rute bestimmt die Höhe der Nutzschicht.

Das Heben und Senken der Kettfäden steuert die Dessins. So werden die Polgarne sichtbar oder unsichtbar. Was im traditionellen Handwerk per Muskelkraft erfolgte, erlaubt die Jacquard-Technologie mechanisch. Anfangs steuerten Lochkarten das Anheben einzelner Garne über die Ruten, heute übernehmen das die Design-Programme der Webcomputer elektronisch.

Dieses unterschiedliche Einweben der Polfäden erlaubt farblich fein nuancierte Dessins. Entweder bleibt ein Chor, so heißt die Farbgruppe der Polfäden, an der Oberfläche oder er kommt bis zum Farbwechsel in den Grund des Gewebes. Chorigkeit beschreibt die Farbanzahl in einer Fadenreihe. Noch heute trägt die revolutionäre Technologie den Namen ihres Erfinders: Joseph-Marie Jacquard.