Weberinnen

Die Bauhaus-Weberinnen

Carpet Concept webt Teppichböden in einem Bauhaus-Ensemble. In Münchenbernsdorf entstand einst auch ein Dessin der berühmten, aber nicht unumstrittenen Bauhaus-Weberin Margaretha Reichhardt. Ihr widmen sich jetzt mehrere Ausstellungen in Thüringen.

Ob an Webstuhl oder Kameraobjektiv: Frauen prägten das berühmte Bauhaus nachhaltig. Dass sie in beträchtlichem Umfang das Bauhaus mitgestalteten, ist immer noch wenig bekannt. Als erste Frau unter den Bauhaus-Meisterinnen wurde die Weberin Gunta Stölzl berühmt. „Alles neu! Nichts Hemmendes ist an meinem äußeren Leben, ich kann mir´s gestalten, wie ich will,“ freute sie sich 1919 unter Gropius studierend.

Walter Gropius hatte in diesem Jahr das Staatliche Bauhaus eröffnet und verkündet: "Als Lehrling aufgenommen wird jede unbescholtene Person ohne Rücksicht auf Alter und Geschlecht, deren Begabung und Vorbildung vom Meisterrat als ausreichend erachtet wird."
Schon im ersten Semester verzeichnete er mehr weibliche als männliche Bewerber. Viele Frauen ergriffen endlich die Chance, die ihnen bis dato meist verwehrt worden war - auf eine Kunstakademie zu gehen. Deshalb hatten viele der jungen Frauen, die ihr Studium am Weimarer Bauhaus aufnahmen, bereits eine abgeschlossene Ausbildung.

So auch Margaretha Reichhardt, die von 1921 bis 1925 eine Ausbildung an der Staatlich-Städtischen Handwerker- und Kunstgewerbeschule in Erfurt absolvierte und ihr Studium ab 1926 am Bauhaus in Dessau begann.

Auch sie wurde eine erfolgreiche Weberin, spezialisierte sich bei Gunta Stölzl und wurde ab 1930 freie Mitarbeiterin in ihrer Weberei. Im Sommer 1931 erhielt sie das Bauhausdiplom Nr. 54.

Unumstritten war Margaretha Reichhardt nicht. Es hieß, dass sie mit Kommilitonen ein Komplott gegen Gunta Stölzl schmiedete und sie aufgrund ihres jüdischen Ehemanns schikanierte. Gunta Stölzl verließ daraufhin das Bauhaus, ebenso Margaretha Reichhardt. Margaretha Reichhardt baute sich danach eine eigene, kleine Manufaktur in Erfurt auf. Später in einem traditionell gehaltenen Haus, das heute als kulturhistorisches Denkmal ersten Ranges gilt und im Bauhaus-Jahr mit spannenden Ausstellungen aufwartet.

Nur eine knappe Autostunde von Erfurt entfernt, im thüringischen Münchenbernsdorf, beschäftigt sich ein Unternehmen ebenfalls mit den Bauhaus-Weberinnen. Carpet Concept produziert in einem sorgsam sanierten Bauhaus-Ensemble seit 25 Jahren nachhaltige Teppichböden. Den Leitgedanken des Bauhauses setzte man hier schon seit dem Unternehmens-Aufbau um: mit der Synthese von Architektur, Handwerk und Kunst, schuf das Unternehmen Teppichböden die inzwischen über 120 renommierte Designpreise gewonnen haben. Bei Carpet Concept entstand auch ein Teppich mit einem Dessin der berühmten Bauhaus-Weberin Margaretha Reichhardt. Gewebt und zur Verfügung gestellt für eine Ausstellung des Design Zentrum Thüringen. Eine enge Verzahnung mit dem Bauhaus prägt Carpet Concept bis heute: die Suche nach den Potenzialen, die sich aus dem Bauhaus-Erbe für das 21. Jahrhundert ableiten lassen und in eine nachhaltige Zukunft weisen.

Ansehen:

Bauhaus-Ort
Margaretha-Reichardt-Haus
Tel. +49 361 7968726
Am Kirchberg 32
99094 Erfurt

Das Reichardt-Haus in Erfurt mit Original-Werkstatt wurde zum Bauhaus-Jubiläumsjahr neugestaltet und zählt zu den bedeutenden Bauhaus-Orten. Margaretha Reichardt baute hier nach dem Erhalt ihres Bauhausdiploms 1931 ihre eigene Textilwerkstatt auf – zuerst am Severihof, ab 1939 in Erfurt-Bischleben. Haus, Werkstatt – unter anderem mit zwei originalen Bauhaus-Webstühlen – und der Garten sind heute ein kulturhistorisches Denkmal ersten Ranges. Die Werkstatt im Untergeschoß beherbergt mehrere funktionstüchtige Handwebstühle, an denen die Reichardt-Schülerin Christine Leister heute die Kunst des Handwebens vorführt, aber auch Stoffe nach historischen Vorbildern produziert.

Öffnungszeiten
Besichtigung und Vorführung der Kunst des Handwebens nach Anmeldung unter den Rufnummern 0361 7968726 oder 0361 655-1640.

Ausstellung in Erfurt
Vier Bauhausmädels: Von der Lehre ins Leben
Gertrud Arndt / Marianne Brandt / Margarete Heymann / Margaretha Reichardt

Wie konnten sich junge Frauen, die am Bauhaus ausgebildet wurden, in den 1920er und 1930er Jahren als selbstständige Gestalterinnen etablieren? Die Ausstellung nimmt vier Künstlerinnen in den Blick und zeigt, wie sich ihr Schaffen entwickelte. Die Arbeiten repräsentieren die am Bauhaus wichtigen Gewerke Fotografie, Metall, Keramik, Textil.

Angermuseum Erfurt, Anger 18, 99084 Erfurt
Tel. +49 361 655-1651
bis zum 16. Juni 2019